So wählen Sie nach einer Übernahme den richtigen Interimsmanager aus

Irgendwas ist anders, das habe ich schon morgens gespürt. Nach der Mittagspause werde ich zu Herrn S. gerufen. Er müsse mir etwas Wichtiges mitteilen, sagt er. Ohje. Herr S. sagt: “Es ist vollbracht. Wir haben einen neuen Eigentümer – einen Amerikaner. Heute Mittag gibt es die offizielle Information an alle. Und wir wissen ja, was dann los bricht. Wie gehen wir vor?”

Ich war damals gerade erst bei diesem Kunden als Interimsmanagerin eingestiegen, ohne genau zu wissen, was kommen würde. Aber nun wurde mir klar, warum gerade ich ausgewählt worden war: Die Firma brauchte eine Expertin in Sachen amerikanische Übernahme.

Was nun kam, kannte ich bestens: Nach der Verkündigung verstummten erst mal alle Mitarbeiter – und dann war nichts wie vorher. Plötzlich gab es so viele neue Aufgaben auf der to do-Liste: Wir brauchten ein Konzept, wir mussten Auswertungen abliefern, der neue Eigentümer wollte Zahlen sehen.

Sie ahnen sicher, wo ich das kommende Wochenende verbrachte: im Büro des Kunden.

 

Bei Ihnen steht auch eine Übernahme ins Haus? Dann wird es bei Ihnen ganz ähnlich ablaufen wie bei meinem Kunden.

Den besten Tipp, denen ich Ihnen fürs Überstehen dieses Ausnahmezustandes geben kann: Holen Sie sich Fachwissen ins Haus.

Dafür haben Sie drei Möglichkeiten:

  1. Sie bilden einige Mitarbeiter in Sachen amerikanischer Bilanzierung, englischsprachiger Kommunikation und Themen wie US-GAAP oder SOX weiter.
    Vorteil: Sie müssen niemanden Neues einstellen
    Nachteil: Die Weiterbildung kostet Zeit.
  2. Sie stellen jemanden ein, der das Fachwissen mitbringt (er sollte sich in Sachen US-GAAP und SOX auskennen und im Idealfall schon einmal eine Übernahme miterlebt oder begleitet haben).
    Vorteil: Sie haben dauerhaft einen echten Experten im Haus.
    Nachteil: Der Einstellungsprozess dauert.
  3. Sie holen sich einen Interimsmanager.
    Vorteil: Der Manager auf Zeit kommt sofort und kostet nur, so lange er bei Ihnen ist – danach geht er wieder. Außerdem ist er es gewohnt, in stressigen Situationen schnell Lösungen zu präsentieren.
    Nachteil: Ein Interimsmanager kostet erst mal mehr als ein “normaler” Angestellter.

 

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Aber lassen Sie mich korrigieren: Wenn es bei Ihnen wirklich brennt und Vorgaben des Mutterkonzerns schnell umgesetzt werden müssen, haben Sie eigentlich gar nicht drei Möglichkeiten. Denn dann scheiden aufwendige Weiterbildungen und  ein langwieriger Bewerbungs- und Auswahlprozess automatisch aus.

Dann heißt es also: entweder allein die plötzliche Aufgabenflut angehen – oder den Interimsmanager anrufen.

Natürlich dürfen Sie aber auch die Entscheidung für einen Manager auf Zeit nicht übers Knie brechen.

 

Hier die wichtigsten Fragen zu Interimsmanagern, die Sie sich jetzt wahrscheinlich stellen:

 

1. “Warum brauche ich überhaupt jemanden von außerhalb, kriegen wir das nicht allein hin?”

Sie werden nach einer Übernahme sehr viele neue to do’s auf Ihrer Liste haben. Zum Beispiel diese:

  • Die Rechnungslegung muss umgestellt werden
  • Mitarbeiter müssen neu geschult werden, z.B. im Umgang mit dem US-GAAP, wenn bisher nach HGB bilanziert wurde (was Sie darüber wissen sollten, lesen Sie in diesem Blogbeitrag)
  • Systeme sind umzustellen, etwa die parallele Rechnungslegung in SAP
  • Personalveränderungen stehen zur Debatte

Dafür brauchen Sie einen Masterplan – und das oft bei starkem Zeitdruck. Denn natürlich: Das Tagesgeschäft läuft weiter!

Sich alles nebenbei neu anzueignen und die vielen zusätzlichen to do’s abzuarbeiten, ist kräftezehrend – und ganz offen gesagt: verschwendete Zeit. Ein Experte kann all diese Punkte viel effizienter abarbeiten. Schließlich macht er den ganzen Tag nichts anderes, als sich mit US-GAAP und SOX und all diesen für Sie neuen Begrifflichkeiten zu beschäftigen!

 

2. “Wann ist der richtige Zeitpunkt, jemanden zu holen?”

Am besten: sofort nach der Übernahme. Denn wenn es brennt (und das tut es meistens in so einer Situation), zählt jeder Tag. Typischerweise wird aber die Entscheidung für einen Interimsmanager erst gefällt, wenn man wirklich einen “Feuerwehrmann” für die sich auftürmenden Probleme braucht.

Dabei könnten sich alle Beteiligten viel Ärger ersparen, wenn von Anfang an professionelle Hilfe geholt wird – etwa bei der Anpassung der Rechnungslegung. Denn die Vorgaben des Mutterkonzerns haben in der Regel eine Deadline – und die müssen Sie einhalten, komme, was wolle.

 

3. “Woran erkenne ich denn, ob ein Interimsmanager gut ist?”

Natürlich sollte er fachlich geeignet sein – sich etwa auf amerikanische Übernahmen spezialisiert haben und Kenntnisse im internationalen Accounting mitbringen. Aber neben diesem offensichtlichen Kriterium sind folgende Punkte die aus meiner Sicht wichtigsten Qualitäten eines Interimsmanagers (oder einer ManagerIN – aber ich benutze der Einfachheit halber mal das “Er”…):

  • Er ist gut darin, sich schnell und umfangreich mit dem aktuellen Sachstand vertraut zu machen.
  • Er arbeitet konstruktiv und zielorientiert mit den Mitarbeitern (statt ihnen etwas über zu stülpen)
  • Er ist flexibel, pragmatisch, kommunikationsfähig, sozial sehr kompetent und wissbegierig – all das braucht er schließlich, um sich in kürzester Zeit einen Überblick zu verschaffen (dafür muss er nämlich vor allem eines: mit vielen Menschen reden).
  • Er tritt vertrauenswürdig auf – nur so akzeptieren die Mitarbeiter ihn auch und öffnen sich ihm gegenüber.

 

4. “Jemand der neu ist, kennt sich noch nicht im Unternehmen aus – ist das nicht ein Nachteil?”

Ein externer Manager muss sich erst einarbeiten, richtig. Aber: Er ist auch nicht in hierarchische Abhängigkeiten oder kollegial verbunden. So fällt es ihm leichter, zu analysieren und zu handeln.

Als ein „Feuerwehrmann“ kann und soll er auf solche Vernetzungs-Verpflichtungen nämlich  keine Rücksicht nehmen. Das ist ein Vorteil: So ist es möglich, objektiv, pragmatische und konsequente Lösungen zu finden.

 

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